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Meine lieben Menschenmädlein und Menschen-knäblein!
Ob es euch manchmal auch so schwer fällt, mit eueren nächsten Erwachsenen
zu einer normalen Verständigung zu gelangen? Mir passiert es nicht selten,
vor allem mit unserem Vati. Kürzlich, in den Ferien, sind wir mal in den
Wald gegangen. Am Waldrand eine Tafel: "Rauchen verboten!" Ein
Stückchen weiter: "Feueranmachen verboten!" Und gleich daneben:
"Aufscheuchen des Wildes verboten!" und als Zugabe gleich noch
"Gehverbot außerhalb der bezeichneten Wege". Am Bach: "Baden
verboten!" Und das war, bitte sehr, im Urlaub, wo meiner Ansicht
nach, mit Verlaub, alles erlaubt sein sollte!
Der Vati meinte, im Urlaub sei eben nicht alles, sondern nur manches erlaubt,
zum Beispiel sich von der Arbeitsstätte zu entfernen, zu faulenzen, sich
zu aalen, Maulaffen feilzuhalten und Fische zu angeln, letzteres allerdings
nur so man eine Fischkarte besitzt. Er dürfte vergessen haben, wie wir
- und es ist gar nicht so lange her - gemach auch ohne Fischkarte einen
Karpfen fischten. Allerdings war es daheim, im Trog, zu Weihnachten. Dabei
hat uns der arme Kerl von einem Karpfen leid getan, da er doch gerade
zu den Feiertagen der Liebe und des Friedens unser Vergnügen hätte mit
seinem Leben bezahlen sollen. Und so schafften wir es zwar zuletzt, ihn
herauszufischen, trugen ihn aber dann zu Fluß und ließen ihn schwimmen;
unser Festmahl am Weihnachtsabend bestand dann zwar bloß aus Bratkartoffeln,
sie schmeckten uns aber ausgezeichnet. Wohl deshalb, weil ihnen unser
gemeinsames Vorhaben, niemandem ein Leid anzutun, eine festliche Würze
gab.
Wie ich mir also sagen ließ, ist im Urlaub beiweitem nicht alles erlaubt,
in manchen Gewässern kann man aber doch Fische fangen, sofern überhaupt
welche da sind. Und wenn auch das Angeln eine scheinbar ruhige und stille
Unterhaltung ist, so kann es einem in Gesellschaft unseres Vatis die mannigfaltigsten
und ungeahntesten Erlebnisse bieten. Dasselbe läßt sich auch von anderen
Unterhaltungen sagen. Nur daß es halt mit den Erwachsenen ständig Schwierigkeiten
gibt, ganz besonders in den Ferien, denn da sind sie gezwungen, auf ihre
Bequemlichkeit, auf ihren gewohnten Lehnstuhl, auf den regelmäßigen Zu-schub
von Tagespresse und schwarzem Kaffee zu verzichten. Am Wasser, im Wald,
in den Bergen und auf der Reise führen sich die Erwachsenen noch verwirrter
auf als daheim. Die Schuld an allen Schwierigkeiten schieben sier versteht
sich, uns zu. Nur damit sie vor uns nicht so albern aussehen. Ich habe
so meine Erfahrungen in der Sache. Wir haben sie zur Warnung und Mahnung
auf diese Schallplatte aufgenommen. Davon, was vorausgegangen war, welch
ein verrücktes Durcheinander herrschte, bevor wir uns der Mutter Natur
in die Arme stürzen konnten, davon erzählt die Schallplatte Hurvinek macht
Ferien. Ich empfehle sie euch wärmstens. Damit ihr auch über alles Bescheid
wißt.
Die Erwachsenen wiederholen immer wieder, was für Probleme sie mit uns
hätten. Sie selbst waren, versteht sich, ganz anders. Strebsam, fleißig,
gehorsam, ordentlich, und bedächtig. Sie haben ihre Eltern nie geärgert,
i wo! So sieht es zumindest aus, wenn ihr sie reden hört. Aber bis ich
zu Worte komme, da wird man erst sehen, wer mit wem eigentlich seine liebe
Not hat. Übrigens tue ich dies schon mit dieser Schallplatte, die zu hören
ihr euch gerade anschickt.
Tschüß denn und viel Spaß in den Ferien und beim Anhören!
Euer Hurvinek
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